
Die Offene Arbeit in der Kita geht mit Anforderungen einher, die insbesondere von Außenstehenden, durchaus kritisch gesehen werden. In der vorliegenden Neuauflage des Buches „Offene Arbeit“ beschreiben und erklären der Pädagoge Gerhard Regel und die Kita-Fachberaterin Sonja Ahrens ausführlich diesen Ansatz der Kita-Pädagogik. In einem Wechsel aus wissenschaftlichen Grundlagen und konkreten Praxisbezug gelingt es ihnen, den Lesenden mitzunehmen und die Potenziale der offenen Arbeit zu vergegenwärtigen.
Beispiel gelungener Organisationsentwicklung
So werden zunächst einmal die Entstehung des Ansatzes in den 1980er Jahren sowie die wissenschaftlichen Grundlagen beleuchtet, bevor der konkrete Praxisbezug erfolgt. Am Beispiel einer niedersächsischen Kita wird ein konzeptioneller und organisatorischer Wandlungsprozess verdeutlicht, der mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. Die Autorin Sonja Ahrens beschreibt aus der Sicht der ehemaligen Kita- Leitung, dass es nicht damit getan ist, Räume umzuwidmen, sondern dass es einer ausführlichen Auseinandersetzung im Team sowie mit der eigenen (Berufs-)Biografie bedarf. Neben der Raumgestaltung gehen die Autor*innen auch auf zentrale Themen der Praxis wie Zusammenarbeit mit Familien und dem Sozialraum, alltagsintegrierte Sprachförderung oder die Marte-Meo-Methode ein. Darüber hinaus widmen sich einzelne Unterkapitel z.B. der Digitalisierung oder dem Qualitätsmanagement, so dass viele Themen der Kita-Konzeption und des Kita-Alltags aufgegriffen werden und die Lesenden umfassende und detaillierte Anregungen und Beispiele erhalten.
Fokus auf die Kinder
Schlussendlich unterstreichen die Autoren deutlich, dass der Ansatz der Offenen Arbeit kindzentriert, kinderrechtsbasiert, inklusiv und demokratisch ist. Er stellt die kindliche Autonomie in den Vordergrund ohne zu vernachlässigen, dass Fachkräfte wichtige Entwicklungsbegleiter*innen sind, die in achtsamer Beziehung zu den Kindern stehen und ihnen stets Orientierung und Sicherheit geben. An dieser Stelle werben die Autoren für eine „neue Professionalität“, welche die Fähigkeit von Teams, ihr pädagogisches Handeln kritisch zu reflektieren, in den Vordergrund rückt.
Fazit
Das Buch ist trotz der Komplexität des Themas klar in Gliederung und Sprache, so dass es alle Interessierten von Fachschüler*innen über Kita-Teams bis hin zu Trägervertreter*innen ansprechen kann. Es bricht eine starke Lanze für die Offene Arbeit und die Begeisterung der Autoren für den Ansatz wird mehr als deutlich, ohne dabei unsachlich oder unkritisch zu werden. Eine Besonderheit ist der Epilog, der explizit die Sicht der heutigen Fachberaterin Sonja Ahrens aufgreift.
Regel, Gerhard und Ahrens, Sonja (2026): Offene Arbeit. Freiburg, Herder Verlag, 143 S., 20€
Iris Hofmann
