Hier spielt die Zukunft: Neue Studie zeigt Reformbedarf im deutschen Kita-System

Das deutsche Kita-System befindet sich in einer wichtigen Umbruchphase. Das zeigt die Studie „Zukunftsperspektiven für das deutsche Kita-System“ im Auftrag des Deutschen Kitaverbands. Die Diagnose ist eindeutig: Das Kita-System befindet sich in einem kritischen Zustand – zugleich bietet es enorme Gestaltungschancen für Bildung, Teilhabe, Integration, Demokratie und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit.

„Kitas sind der erste Bildungsort im Leben eines Kindes. Hier werden Sprache, soziale Fähigkeiten, Neugier, Selbstvertrauen und demokratisches Miteinander eingeübt. Wer über die Zukunft Deutschlands spricht, muss über Kitas sprechen“, sagt Waltraud Weegmann, Bundesvorsitzende des Deutschen Kitaverbands. „Die Studie zeigt: Wir wissen, was zu tun ist. Jetzt braucht es den politischen Willen, frühkindliche Bildung endlich als zentrale Zukunftsaufgabe zu behandeln.“

Die Studie macht deutlich: Nahezu alle befragten Expert*innen sehen das System unter erheblichem Druck. Fachkräftemangel, hohe Belastung der Teams, unsichere Finanzierung und ein Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen gefährden die Qualität frühkindlicher Bildung. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche Anspruch an Kitas: Sie sollen Bildungsgerechtigkeit fördern, Familien entlasten, Integration ermöglichen und Kinder auf eine komplexe Welt vorbereiten.

Aus Sicht des Deutschen Kitaverbands braucht es deshalb eine neue Phase der Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Kommunen, Trägern, Wissenschaft und Fachkräften. Der Verband fordert einen bundesweiten Kita-Gipfel, bei dem verbindlich über Qualität, Evaluation, Finanzierung und Verantwortung im Kita-System gesprochen wird. Ziel ist eine gemeinsame Verständigung darüber, was gute frühkindliche Bildung in Deutschland leisten soll – und wie sie verlässlich finanziert werden kann.

Gemeinsame Qualitätsziele und verlässliche Finanzierung

„Wir brauchen gemeinsame Qualitätsziele, eine konstruktive Qualitätsentwicklung und eine Finanzierung, die Qualität auch möglich macht“, so Waltraud Weegmann. „Es kann nicht sein, dass die Zukunftschancen eines Kindes davon abhängen, in welchem Bundesland oder in welcher Kommune es eine Kita besucht.“

Die Studie benennt zudem die Trägervielfalt als prägendes Strukturmerkmal der deutschen Kita-Landschaft und als wichtigen Faktor für Wahlfreiheit und Innovation. Rund 70 Prozent der Kitas werden von freien Trägern betrieben. Sie sichern damit nicht nur einen wesentlichen Teil des Rechtsanspruchs auf Kindertagesbetreuung, sondern machen das System flexibel, vielfältig und innovationsfähig. Viele pädagogische Ansätze und Weiterentwicklungen sind maßgeblich in der freien Trägerlandschaft entstanden und haben Impulse für das gesamte Kita-System gesetzt.

„Die Trägervielfalt ist eine Ressource. Gerade die freien Träger haben immer wieder gezeigt, wie anpassungsfähig und innovativ das Kita-System sein kann“, so Weegmann. „Wenn wir die Herausforderungen der kommenden Jahre wirksam bewältigen wollen, dürfen wir diese Trägervielfalt nicht schwächen. Wir müssen sie stärken – durch faire Finanzierung, verlässliche Rahmenbedingungen und Qualitätsziele, die Orientierung geben, ohne pädagogische Vielfalt einzuschränken.“

Der Deutsche Kitaverband sieht die Studie als Auftrag an die Politik: Frühkindliche Bildung darf nicht länger ein nachgeordnetes Thema sein. Wer Bildungsungleichheit abbauen, Familien stärken, Fachkräfte sichern und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern will, muss bei den Kitas beginnen.

Der Deutsche Kitaverband fordert deshalb:

„Die Studie zeigt: Das Kita-System ist erschöpft, aber nicht chancenlos“, sagt Waltraud Weegmann. „Wenn wir jetzt handeln, können wir aus dem demografischen Wandel, aus neuen Qualitätsdebatten und aus der großen Leistung der Träger einen echten Aufbruch machen. Wenn wir nicht handeln, wird es später teurer – für Kinder, Familien, Wirtschaft und Gesellschaft.“

Quelle: Deutscher Kitaverband

Quelle: nifbe